Krieg in der Ukraine – Haltung und Umgang finden und handlungsfähig bleiben
Bild: Thomas Makowski, Laborschule Bielefeld

Rückblick: Krieg in der Ukraine – Haltung und Umgang finden und handlungsfähig bleiben

Das Kompetenznetzwerk „Demokratiebildung im Jugendalter“ veranstaltete den digitalen Fachaustausch am 13. April 2022 zu den pädagogischen Herausforderungen des Krieges im Bereich der Schul- und Jugendbildung in Deutschland.

Das Ziel der Veranstaltung war es, auf den aktuellen Austausch- und Informationsbedarf schulischer und außerschulischer pädagogischer Fachkräfte einzugehen und ihnen eine Plattform sowie ein Unterstützungsangebot zur Verfügung zu stellen.

Einstieg in die Thematik

Gemeinsam mit den teilnehmenden Pädagog:innen, politischen Bildner:innen, Wissenschaftler:innen und Multiplikator:innen wurden akute Fragen gesammelt, u.a.:

  • Wie soll man das Thema in Klassen ansprechen? Welche Methoden/Materialien gibt es dazu?
  • Viele ehemals geflüchtete Schüler:innen kritisieren/beneiden die große Hilfsbereitschaft für geflüchtete Menschen aus der Ukraine. Wie geht man damit in der Schule um?
  • Wie können wir die Krise, den Krieg „nutzen“, um eine diskursive, diverse Schule zu gestalten?
  • Wie kann der Fokus auf ukrainische Geflüchtete auch für nicht ukrainische Geflüchtete genutzt werden?
  • Wie können Lehrkräfte mit Konflikten innerhalb der Klasse bei prorussischen und proukrainischen Haltungen umgehen?
  • Sind die (pädagogischen) Herausforderungen im Kontext aller durch den Krieg auch außerhalb der ukrainischen oder russischen Community gestiegen?
  • Wie lässt sich die Thematik in Grundschulen gut behandeln?

Mit einem Impuls von Prof. Dr. Steve Kenner, Gastprofessor für Demokratiebildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Freien Universität Berlin, folgte eine fachliche Einordnung der Thematik. Einige der zuvor gesammelten Fragen wurden im Impulsvortrag aufgegriffen und konnten beantwortet werden. So betonte Prof. Dr. Kenner, dass das sogenannte Neutralitätsgebot die Schule und Lehrkräfte nicht daran hindern sollte, politische Themen anzusprechen. Im Gegenteil sei es wichtig, gesellschaftlich relevante Themen in den Unterricht einzubinden. Die Schüler:innen sollten dabei mit der Nutzung partizipativer Methoden zum Austausch eingeladen werden. Diese und weitere Handlungsstrategien wurden von Prof. Dr. Kenner konkretisiert und anschließend von den Teilnehmenden diskutiert.

Praxistipp:

Materialien- und Methodensammlung zur Behandlung des Krieges in der Ukraine [erstellt von der Arbeitsgruppe „Demokratie braucht Haltung“ in der GEW Niedersachsen und dem Landesverband Niedersachsen der Deutschen Vereinigung für politische Bildung (DVPB) e.V.]

 

Impuls von Prof. Dr. Steve Kenner
Bild: Prof. Dr. Steve Kenner

Von der Theorie zur Praxis

Im anschließenden Gespräch mit Thomas Makowski, von der Laborschule Bielefeld, gelang es, die Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen und anhand des Beispiels der „Aktuellen Stunde“ in der Schule zu zeigen, wie man:

  • altersgerechte Zugänge zum Thema Krieg schafft,
  • dem Informations- und Redebedürfnis und dem Wunsch bzw. Anspruch der Schüler:innen nach Normalität nachkommen kann,
  • gelingenden, problemorientierten und kritischen Unterricht gestalten kann, indem Sprache, Ideologie und Propaganda hinterfragt werden.

Thomas Makowski beantwortete die Fragen der Teilnehmenden zur Handlungsfähigkeit in Kriegs- oder Krisensituationen und der Gefahr der Propaganda als Quelle in der Schule. Dabei stellte er drei Thesen zum Weiterdenken auf:

  1. Um Diskursfähigkeit als langfristiges Bildungsziel auszubilden, ist es notwendig, Schüler:innen/Jugendliche Diskurse führen zu lassen. Dafür braucht es Anlässe und zur Verfügung stehende Unterrichts- bzw. Redezeit für die Schüler:innen.
  2. Die Befähigung zur Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs erreichen wir schrittweise durch die Öffnung des Politikunterrichts mit Methoden des eigenständigen und selbstverantwortlichen Lernens. Dabei sollten die Schüler:innen aber auch erfahren dürfen, dass ihre Themen und Zugänge Bedeutung(en) haben.
  3. Die Aufgaben der Lehrkräfte bestehen darin, diese Prozesse sensibel zu moderieren – besonders bei der Behandlung von Krieg als Thema. Zudem sollten die Lehrkräfte für einen Ausgleich sorgen, wenn es didaktisch/inhaltlich/pädagogisch notwendig ist. „Aktuelle Stunden“ erfordern ein hohes Maß an Flexibilität, Offenheit und Sach-Bildung der Lehrkräfte. (Quelle: Thomas Makowski, Laborschule Bielefeld)

Ausblick

In einer letzten inhaltlichen Runde setzten sich die Teilnehmenden mit drei konkreten Praxissituationen auseinander, sammelten Lösungsansätze und diskutierten diese miteinander.

Zudem wurden weitere inhaltliche Austauschbedarfe benannt, über die man bald vertiefend ins Gespräch kommen möchte, wie beispielweise der Umgang mit abwertenden Äußerungen und Rassismus und das pädagogische Aufgreifen von Fake News.

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