Demokratie braucht dich

Bewerbungsstart für Projektverbünde in Bayern und Baden-Württemberg

Ab sofort können sich in Bayern und Baden-Württemberg Projektverbünde, bestehend aus einer Schule und einem außerschulischen Träger, für die Teilnahme im neuen bundesweiten Demokratieprojekt OPENION – Bildung für eine starke Demokratie bewerben. Die ausgewählten Bewerber und Bewerberinnen erhalten 2.000 Euro Projektmittel und werden durch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) mit Qualifizierungsangeboten, Netzwerktreffen, Hospitationsreisen und Fortbildungen unterstützt.

Bewerben können sich Verbünde, die für mindestens ein Jahr ein Projekt für Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren planen. Die Projekte haben zum Ziel, Demokratie im Alltag erfahrbar zu machen und bieten die Möglichkeit, mitzugestalten und verantwortungsvolle Rollen zu übernehmen.

Interessierte erhalten bei den kostenfreien Inspirationswerkstätten „Demokratie braucht dich.“ in Stuttgart und München alle Informationen und können mit potentiellen Verbundpartnern an ersten Ideen arbeiten. Wer sich bewerben möchte, kann dies auch direkt online tun: www.openion.de/mitmachen.

Gemeinsam Demokratiebildung von morgen gestalten

Zusammenarbeit mit Demokratisch Handeln und DeGeDe gestartet

Demokratie braucht Begegnung, hier treffen sich die Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, von Demokratisch Handeln und von der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik
Foto: DKJS

Mitreden, mitgestalten, teilhaben – seit Ende 2017 unterstützen der Förderverein Demokratisch Handeln e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V. (DeGeDe) in partnerschaftlicher Zusammenarbeit das bundesweite Projekt OPENION- Bildung für eine starke Demokratie. Während des ersten Partnertreffens am 26.01.2018 in der Geschäftsstelle der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Berlin konnten die Partner den Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit legen und gemeinsame Ziele definieren.

Durch die Kooperation mit beiden Vereinen kann OPENION auf bestehende Erfahrungen aufbauen und Anschluss an das bundesweite schulische Netzwerk von Demokratisch Handeln e.V. und dessen fachwissenschafltiche Expertise knüpfen. Die DeGeDe unterstützt OPENION mit Expertisen und Errungenschaften im Bereich der demokratischen Schulentwicklung sowie einem bundesweit starken regionalen Netzwerken.

Insbesondere dürfen sich die OPENION-Projektverbünde freuen: beide Vereine entwickeln jeweils eine Fortbildungsreihe für die Verbünde aus schulischen und außerschulischen Partnern, welche im Rahmen von Netzwerk- und Qualifizierungstreffen sowie nach Bedarf angeboten werden. Außerdem strebt OPENION eine starke Zusammenarbeit mit Blick auf die Weiterentwicklung seines Online-Portals an und wird bei Veranstaltungen unterstützt.

Wir freuen uns, dass die OPENION-Familie damit wächst und wir uns mit noch größerer Kraft für gute und zeitgemäße Demokratiebildung in Deutschland einsetzen können.

 

Inspiration ist alles

Wie man Demokratiebildung zeitgemäß und für Jugendliche spannend gestaltet, war das Thema der Inspirationswerkstatt am 8. Dezember 2017 in Radebeul. Gemeinsam knüpften Schülerinnen und Schüler mit außerschulischen Akteuren erste Kontakte und entwickelten Ansätze für zukünftige Projekte rund um die zukünftige Demokratiebildung an der Schule. In verschiedenen Workshops zu Themen wie Medienpädagogik, Jugendbeteiligung oder Graphic Recording gaben die Referentinnen und Referenten Impulse für einzelne Aspekte einer zeitgemäßen Demokratiebildung. Mithilfe von interaktiven Abstimmungen und verschiedenen Mitmachstationen erlebten sowohl die Jugendlichen als auch die Erwachsenen, wie Begegnung und Beteiligung praktisch umgesetzt werden können. In einem nächsten Schritt sind die Partner nun eingeladen, sich mit einer konkreten Idee als Projektverbund bei OPENION zu bewerben.

Die Ergebnisse der Inspirationswerkstatt wurden von himbeerspecht als Graphic Recording visuell protokolliert.

Das wird man jawohl noch sagen dürfen?!

Marina Weisband und Ali Can diskutierten beim OPENION Auftakt über die Grenzen der Meinungsfreiheit

Ali Can und Marina Weisband disktuieren auf der Bühne über die Grenzen der Meinungsfreiheit
Wortwechsel zum Thema Meinungsfreiheit mit Ali Can und Marina Weisband, moderiert von Michel Abdollahi, (c) Piero Chiussi/DKJS

Wo hört die Toleranz gegenüber anderer Meinungen auf und wo fängt Ausgrenzung an? Bei der Projektvorstellung von OPENION - Bildung für eine starke Demokratie diskutierten Marina Weisband und Ali Can über die Grenzen der Meinungsfreiheit. Wir haben den Wortwechsel für Sie aufgezeichnet, das Video sehen Sie auf dem Youtube-Kanal der DKJS.

Kinder und Jugendliche als Gestalter ihrer Lebensräume

Das Programm OPENION bringt bundesweite über 200 Schulen mit außerschulischen Partnern zusammen, um gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen zeitgemäße Formen der Demokratiebildung zu erproben.

Gruppenfoto mit Jugendlichen, Politikern und der DKJS
OPENION startet zusammen mit Vertretern und Vertreterinnen der Landesministerien aus Brandenburg, Bremen, Hamburg und Sachsen, dem BMFSFJ sowie DeGeDe und Demokratisch Handeln und jungen Engagierte, (c) Piero Chiussi/DKJS

Jakob, Jurin, Leandra und Paula nehmen nicht einfach hin, was um sie herum geschieht. Sie wollen mitgestalten, etwas bewegen. Die vier Gymnasiasten aus Kassel engagieren sich in der Schülervertretung, bei schulischen Aktionen und politischen Projekten. „Es ist nicht leicht, die Schülerschaft zu erreichen. Am Ende sind es immer die gleichen Leute, die sich engagieren“, sagt die 16-jährige Paula und ihre Freunde nicken. Doch wie können möglichst viele Kinder und Jugendliche die Erfahrung machen, wirksam zu sein? Wie kann Demokratie erlernt und erlebt werden?

Am 8. Dezember 2017 hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung das bundesweite, vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt OPENION- Bildung für eine starke Demokratie gestartet. An über 200 Schulen sollen in Kooperation mit außerschulischen Partnern Projekte entstehen, in denen Kinder und Jugendliche zeitgemäße Formen der Demokratiebildung erproben. An Themen aus ihrer direkten Lebenswelt sollen sie Demokratie als einen Aushandlungs- und Gestaltungsprozess erleben.

Politische Bildung muss alle erreichen

„Wenn wir nicht alle etwas tun, um Demokratie zu erstreiten, dann werden wir sie nicht erhalten“, betont der Leiter der Abteilung Engagementpolitik im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Heiko Geue, zum Auftakt von OPENION die Bedeutung von politischer Bildung. Einige gesellschaftliche Entwicklungen seien besorgniserregend, etwa, wenn immer häufiger Menschen, die sich für Demokratie und Flüchtlinge einsetzten, beleidigt und eingeschüchtert würden. Umso wichtiger seien Programme wie OPENION. „Jugendliche müssen die Erfahrung machen, dass Demokratie viel mit ihrem Leben zu tun hat und dass sie etwas bewegen können“, so Geue. Langfristig müssten Demokratieförderung und Extremismusprävention zu einem festen Bestandteil der schulischen Bildung werden.

„Es gibt keinen Mangel an Projekten zur Demokratiebildung“, meint auch die Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Dr. Heike Kahl. Dennoch gelinge es bislang nicht, alle jungen Menschen zu erreichen.  „Wir müssen die Themen aufgreifen, die junge Leute wirklich bewegen“, so Kahl. OPENION setzt zudem darauf, von Anfang an alle Beteiligten miteinzubeziehen: Schulen, außerschulische Partner und die Landesregierungen, um nachhaltige, landesspezifische Lösung zu entwickeln.

Demokratische Bildung in die Schulen bringen

Tatsächlich sehen die Bildungsbehörden der Länder großen Handlungsbedarf. „Studien zu fremdenfeindlichen Ansichten bei Jugendlichen zeigen, dass unsere Schulen nicht ausreichend für ihre entscheidende Rolle in der politischen Bildung gewappnet sind“, beschreibt Ralf Seifert, Referent am Sächsischen Kultusministerium, die Lage in seinem Bundesland. So sei etwa das Thema Werteorientierung im Lehrplan bislang nur rudimentär enthalten.

Damit Demokratiebildung nicht auf das Fach „Politische Bildung“ beschränkt bleibt, sondern Teil einer gelebten Schulkultur wird, müssten die Landesregierungen auch die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, meint Michael Huesmann, Abteilungsleiter „Bildung“ bei der Senatorin für Kinder und Jugend in Bremen: „Wir können durch schulgesetzliche Regelungen Ermöglichungsstrukturen schaffen, damit Schüler ein Mitspracherecht erhalten. Und wir müssen die Bottom-Up-Impulse, die von Schülern und Lehrern kommen, aufnehmen.“

Denn bislang sind die Möglichkeiten zur Schülerbeteiligung von Schule zu Schule sehr unterschiedlich. Das wissen Jakob, Jurin, Leandra und Paula aus eigener Erfahrung. „Es gibt gute Schulen, in denen sitzen die Schüler mit in den verschiedenen Gremien und haben eine Stunde pro Woche frei für die Arbeit in der Schülervertretung“, sagt Jakob. „An anderen Schulen hat die SV nichts zu melden und jedes Schülerengagement wird von der Lehrerschaft sofort abgewürgt“, ergänzt Jurin.

Kritisches Denken lernen

Wie schwierig es ist, in einer Demokratie mit verschiedenen Meinungen umzugehen, wenn die Grenzen der Toleranz erreicht werden, macht ein Wortwechsel zwischen dem Aktivisten Ali Can und der Bloggerin Marina Weisband deutlich. „Pegida-Teilnehmer sehen in ihren Proteste eine Form der demokratischen Beteiligung: „Wir sind das Volk“, gibt Ali Can zu Bedenken, der das Gespräch sucht, ob auf Pegida-Demonstrationen, AfD-Veranstaltungen oder auf seiner „Hotline für besorgte Bürger“. „Ich kann kritische Gedankenprozesse in Gang bringen, wenn ich auf Augenhöhe mit Menschen spreche“, sagt Can. Dagegen will Weisband rechten Hass nicht mit Aufmerksamkeit belohnen: „Ich muss nicht mit jedem Nazi diskutieren. Wenn er denkt, dass ich verbrannt werden sollte, und ich denke das nicht - da gibt es keinen Kompromiss.“, die unter anderem mit dem Projekt „Aula“ an Schulen geht „Wir müssen Menschen aus der gefühlten Hilflosigkeit und der Konsumhaltung befreien. Wir müssen sie in die Vorstellung bringen, ich bin ein Gestalter.

Umso dringender brauchen Lehrkräfte Unterstützung, um mit den neuen Herausforderungen umzugehen. „Die Formate der Demokratiebildung haben sich sehr verändert. Entsprechend müssen wir unsere Lehrkräfte fortbilden, damit sie aktuell auf die Fragen der Schüler eingehen können, beispielweise das Stichwort: Hassmails“, gibt Regina Büttner, Referatsleiterin „Politische Bildung“ im Brandenburger Bildungsministerium, zu Bedenken.

So funktioniert OPENION

Um die Schulen, die bei OPENION mitmachen, mit ihren Fragen nicht allein zu lassen, organisiert das Projekt sowohl fachliche Beratung als auch Kooperationsdialoge zwischen Politik, Verwaltung und Praxis. So werden die relevanten Akteure aus den verschiedenen Bereichen im jeweiligen Bundesland miteinander vernetzt. Zudem setzt OPENION auf außerschulische Vereine und Initiativen, mit denen die Schulen Partnerschaften schließen.  „Viele Lehrkräfte sind beispielsweise unsicher, wieviel Haltung sie zeigen dürfen. Das können außerschulische Partner auffangen, die viel Erfahrung mit politischer Bildung haben“, erläutert Nina Cvetek, Projektleiterin von OPENION.

Fragt man Jakob, Jurin, Leandra und Paula, dann spielt bei vielen Mitschülern nicht zuletzt der hohe Leistungsdruck eine große Rolle. „Wir stecken derartig in der Mühle, wir fragen gar nicht mehr, warum wir etwas machen oder wie wir eigentlich leben wollen“, sagt Leandra über ihre Generation. Die vier Freunde machen trotzdem weiter. „Natürlich macht es nicht immer Spaß, sich jeden Mittwochabend zu treffen, um ein Projekt zu planen“, sagt Jakob. „Aber letztlich es geht darum, etwas zu bewegen.“